Scheinbare Widersprüchlichkeit auflösen

Oft wird ein Widerspruch zwischen klassischer Physik und Quantenmechanik postuliert, als würde der unsichtbare Mikrokosmos sich anders verhalten als der sichtbare Makrokosmos. Doch dies ist nur ein verzweifelter Versuch, die angebliche Beständigkeit und Unabhängigkeit der Dinge zu bewahren.

Das erinnert mich an die Aussage von Wittgenstein, der postuliert hat, dass man über Dinge, über die man nicht sprechen kann, schweigen muss – was eben nicht zutrifft. Man kann sie nur nicht erklären – aber man kann darüber erzählen.

Das selbe Phänomen findet sich auch im Ch’an wieder. Nagarjuna spricht einfach nur von dem, was man nicht feststellen kann – und schon hat man es. Im Ch’an begegnete mir das gleiche Phänomen wie in der Quantenmechanik.

Bei beiden Sichtweisen bin ich erst einmal gezwungen, meine Verständnis des Gewohnten komplett aufzugeben, was einen allzu leicht dazu verführt, das fabulieren anzufangen.

Und beide Sichtweisen zwingen mich regelrecht, meine Wirklichkeit anders zu betrachten – was auch mich erst einmal gewaltig verunsichert hat. Aber das geht vorbei, wenn man sich seines Pragmatismus nicht entledigt und sich nicht in die Irre führen lässt. Was leicht passiert, denn viele wollen Erklärungen hören, wo es nur Geschichten gibt.

Angenommen, ich lege Ihnen ein Kochrezept auf den Teller, dann werden Sie davon weder satt noch werden Sie wissen, wie es schmeckt – außer natürlich, Sie kennen das Gericht. So ist es auch mit der Wirklichkeit: Die absolute Wirklichkeit ist weder schmackhaft noch macht sie lebenssatt, aber sie ist die Matrix, aus der die relative Wirklichkeit hervorgeht. Ohne absolute Wirklichkeit gibt es keine relative Wirklichkeit.