Die Kraft des Denkens

Was mich hier schreiben lässt

Warum beschäftigte ich mich mit Ch’an? Oder mit Quantenmechanik? Mit Ch’an habe ich mich zu beschäftigen begonnen, als ich das Gefühl hatte, dass mein Leben völlig aus dem Ruder läuft. Ich stieß dabei immer wieder an Grenzen, weil ich die Ch’an-Gedanken nicht fassen konnte, sie nicht in mein Denken zu integrieren vermochte.

Das änderte sich, als mir auffiel, dass sich Ch’an-Menschen immer sehr gut mit den Quantenmechanikern zu verstehen schienen. Also beschäftigte ich mich mit den grundsätzlichen Fragen, die die Quantenmechanik aufwirft, sozusagen dem philosophischen Aspekt davon. Und das machte es wesentlich einfacher, ich begann immer mehr und immer besser zu verstehen.

Rückwirkend kann ich sagen, dass ich durch die Beschäftigung mit Ch’an und Quantenmechanik zu einem neuen, anderen Denken gefunden habe, das mir definitiv geholfen hat, mich selbst und auch die Welt auf eine stimmigere Art und Weise wahrzunehmen.

Das hat mir die Tür zu meiner inneren Kraft geöffnet. So fand ich zu dem Bewusstsein für die immanente Kraft in mir.

Worum es geht

Geht es um das, was ich persönlich für richtig halte? Oder geht es um das, was kluge Menschen für korrekt halten? Oder Politiker? Philosophen? Päpste? Psychologen? Nein, jeder Mensch muss für sich selbst erkennen, was wirklich ist – und das in dem Bewusstsein, dass das für alle das Selbe ist, nicht verschieden sein kann!

Es ist leicht Hans-Peter Dürr nachzuplappern, dass das Universum das in sich differenzierte Eine ist, viel schwieriger ist es, das wirklich zu verstehen und dann auch noch zu leben! Eine echte Herausforderung! Was will ich also sein – Jedi-Ritter oder Mönch – oder doch beides gleichermaßen?

Allzu leicht und allzu schnell bin ich, sind wir bereit, einfach still zu sein und die Leute reden zu lassen, wenn wir anderer Ansicht als sie sind – statt dass wir das aufgreifen und klären würden! Immer, wenn jemand anderer Ansicht ist als wir selbst, ist das eine Gelegenheit, die wir nicht verpassen sollten, um etwas zu klären.

Was uns aber nicht gelingen kann, wenn wir nur unsere Ansicht durchsetzen und Recht behalten wollen. Ohne wirkliche Offenheit und Dialogbereitschaft werden wir da stehen bleiben, wo wir eben stehen. Aber das will ich nicht, ich will weiterkommen im Erkennen dessen, was ist.

Der individuelle und persönliche Ausgangspunkt

Es ist notwendig, klar und objektiv zu sehen, wo meine Füße gerade sind, vielleicht sogar Wurzeln geschlagen haben, was mich umgibt und was mir in irgendeiner Weise den Zugang zu meinen Zielen im Leben erschwert und mich letztlich zum Leiden bringen kann.

Für mich war das fraglos die Auseinandersetzung mit meiner Familiengeschichte. Erst als ich aufzudecken begann, was war und was geschehen war begann ich mich selbst überhaupt zu verstehen; ich begriff endlich, weshalb ich so war, wie ich eben war.

Das war der Anfang, jedoch noch keine Lösung für mich. Die dämmerte herauf und wurde erst schemenhaft, dann immer klarer sichtbar. Die Gedanken von Marshall McLuhan brachten mich endlich auf den richtigen Weg: Ich verstand, dass ich nicht verstehen musste, wieso ich was dachte, sondern was die meinem Denken zugrundeliegende Struktur ist, wie ich also mein Denken organisiere.

Das Erfreuliche daran ist: Wenn ich es einmal konnte, kann ich es auch wieder! Also fragte ich mich, wie die Gedanken in meinem Denken überhaupt zustandekommen. Ich dachte zwar, mir war es jedoch absolut nicht bewusst, wieso ich dachte, was ich dachte. Wie kamen meine Gedanken überhaupt in meinen Kopf? Und weshalb dachten andere Menschen ganz anders als ich selbst?

Nur wo anfangen?

Ganz klar, beim Zweifeln! Wo auch sonst? Wer nicht zweifelt, stellt nichts in Frage! Nur wer bereit ist, sich selbst in Frage zu stellen, ist überhaupt bereit, sich auf den Weg der Erkenntnis zu machen. Eine Erkenntnis zu machen bedeutet, in eine neue, unbekannte Welt aufzubrechen. Davor darf man sich nur nicht fürchten.

Wer in seinem Leben nichts anzweifelt, wird da bleiben, wo er ist. Oder er sucht die Verantwortung bei anderen oder den Umständen, dabei ist es doch immer nur er selbst, der etwas ändern kann. Das ist die erste Kröte, die man akzeptieren muss.

Jede Erkenntnis beginnt mit dem Zweifeln am Gewohnten, dann braucht es die Bereitschaft, in das Unbekannte aufzubrechen, sich darauf einzulassen. Wir selbst haben die Wahl, ob wir es kompliziert oder doch komplex wollen. Uns auf eine komplexe Welt einzulassen bedeutet nämlich, sich auf das Unbekannte einzulassen. Wer hingegen den komplizierten Weg geht, hat sein Ziel klar vor Augen.

Nur welcher Weg bringt einen weiter? Das kann nur der komplexe sein, denn das Leben ist komplex und folgt den entsprechenden Gesetzmäßigkeiten, nicht den komplizierten Gesetzen und Regeln, die für die profanen Dinge gelten.

Versenkung in mich selbst

Um das Wissen über komplexe Systeme in mein Denken zu installieren brauche ich neben Achtsamkeit und Konsequenz die meditative und reflektive Versenkung in meine Gedankenwelt.

Die buddhistische Meditation hat zwei Aspekte, die uns helfen können: Samatha und Vipassana, wobei die Praxis des Samatha grundlegend ist. Sind wir nicht in der Lage, innezuhalten, werden wir nicht in der Lage sein, die tiefste Beobachtung oder Vipassana zu erreichen, einen Punkt, der sich von jeder Art philosophischer, religiöser oder lehrmäßiger Abdeckung löst, um eine Strategie des persönlichen Wachstums in unsere Reichweite zu bringen. Dabei sind Samatha und Vipassana nur Begriffe für etwas, das es in allen geistigen Traditionen gibt.

Es geht darum, unseren Verstand zu nutzen, um die Antworten auf die großen Fragen des Lebens zu finden: Wer bin ich? Wie kann ich mich vom Leiden befreien? Wie ist meine Beziehung zur Welt? 

Wir sind Experten in der Kunst der Unwissenheit, ohne dass uns bewusst wäre, dass es exakt das ist, was uns dazu bringt, zu stolpern und immer wieder in diesen zähen Schlamm zu fallen, den wir dann ‚mein Leben nennen‘, was aber so nicht richtig ist. Es ist nur unser Bild von der Welt, aber nicht die Welt.

Doch will ich wirklich wissen, wie die Welt ist, muss ich mich aufmachen, die Dinge selbst zu untersuchen und mich frei machen von meinen eigenen Ansichten und Überzeugungen und dem, was ‚die Leute‘ sagen und denken oder für gegeben halten.

Dazu muss ich verstehen, dass mein Leben in der Regel von einem dichten, komplexen, und sehr groben Gewebe bedeckt ist. Darum geht es, diese Textur mit absoluter Klarheit zu durchblicken.

Dabei ist es unabdingbar, die damit einhergehenden Empfindungen meines Körpers ganz in der Tiefe wahrzunehmen, nicht die Wellen der Emotionen, sondern die stillen, ruhigen Empfindungen. Es ist wie eine repetitive Betrachtung meines gesamten Systems, Körper wie Geist, und meiner Empfindungen, all dessen, was ich in jedem Augenblick wahrnehmen kann.

Falsch gedacht

Etwas, was ich immer erst hinterher erkannt habe. Also habe ich mich in Vipassana zu üben gelernt.

Dieses Untersuchen hat mich erkennen lassen, dass ich ganz genau darauf achten muss, keine Werte als Fakten anzusehen. Es sind diese naturalistischen Fehlschlüsse, die mich gewaltig in die Irre gehen ließen – auch mit fatalen Folgen.

Ich kann nur von Glück sagen, vom Schicksal nicht in Versuchung gebracht worden zu sein. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass ich das selbst getan habe – durch Hass, Gier, Neid, Wut, Ärger und Unmut. Oder anders formuliert: Durch mein Ich-Begehren.

Aber hat nicht schon Krishnamurti erkannt, dass es letztlich darum geht, dieses ‚Ich‘ (oder Ego oder Selbst, er unterscheidet da nicht) aufzugeben? Ich brauche mich nur zu fragen, ob da ein ‚Ich‘ ist, wenn ich mit dem Motorrad unterwegs bin. Nein, da ist keines.

Irreführende Wahrnehmung

Wir nehmen ganz selbstverständlich durch und über unsere Sinne wahr, blenden dabei jedoch meist aus, dass unsere Wahrnehmung ein Prozess nicht nur der Sinne, sondern vor allem des Denkens ist! Was ich wahrnehme, muss tatsächlich so nicht sein!

Das oben benutzte Wort ‚(aus-) blenden‘ macht das Dilemma deutlich, denn es suggeriert, dass es sich hierbei um visuelle Wahrnehmung handelt, was es aber nicht ist; es ist eine rein mentale Angelegenheit.

Um etwas wahrzunehmen, braucht es drei Dinge: Das Wahrnehmungs-Organ, das Objekt und das dazugehörige Bewusstsein. Ich kann kein Auto sehen, wenn ich kein Auto denken kann. Und ich sehe auch keinen ärgerlichen Menschen, wenn ich keinen Ärger denken kann. Ich sehe immer nur das, was ich über den anderen denke – es sei denn, ich urteile und beurteile ihn nicht!

Dann ‚denke‘ ich die Dinge, die ich wahrnehme, allein mit reiner Achtsamkeit und Bewusstheit, ohne jegliche Interpretation. All die üblichen Geistobjekte wie Interessen, Willensregungen, Sehnsüchte und Tatabsichten bleiben ganz einfach aus.

Der Sturz aus der normalen Wirklichkeit

In 1001 Nacht heißt es in der 15. Nacht ‚Die Menschen schlafen solange sie leben. Erst in ihrer Todesstunde erwachen sie. 

Nur woraus „erwachen“ die Menschen unter dem Schock eines Ereignisses? Was also war der „Schlaf“ oder der „Traum“, in dem man sein Leben lang gefangen war? Und wozu eigentlich „erwacht“ man unter diesem Schock? Was bekommt man zu Gesicht, wenn man plötzlich aus dem lebenslangen Schlaf aufgeschreckt wird? 

Beide Fragen erscheinen auf den ersten Blick so „metaphysisch“, dass es aussichtslos erscheint, eine stichhaltige und konkrete Antwort darauf auch nur versuchen zu wollen. 

Überraschenderweise kommt aus einem relativ jungen Zweig der Soziologie, der sogenannten „Wissenssoziologie“, eine Antwort, die zumindest die erste Frage ganz erstaunlich sachlich und rational beantworten kann und für die zweite Frage einen Bezugsrahmen liefert, innerhalb dessen eine Antwort versucht werden kann. 

Peter Berger und Thomas Luckmann legten mit ihrem 1966 erschienenen Buch „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ einen neuen Ansatz für eine Theorie der Wissenssoziologie vor. Die zentrale These des Buches wird bereits sichtbar, wenn man sich den Titel etwas genauer ansieht: 

Es heißt eben nicht: „Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit‘‚; dass die jeweilige Struktur einer Gesellschaft eine von Menschen gezeugte Konstruktion und nicht etwa eine Naturtatsache ist, weiß man spätestens seit den Arbeiten von Karl Marx. Der Titel heißt vielmehr „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“.

Objektivität

Der Ausgangspunkt vieler Überlegungen. Nur ist der leider unzutreffend. ‚Objektivität‘ gibt es in unserem Erleben nun einmal nicht, nur Subjektivität. Nicht ohne Grund hatte Einstein die Frage gestellt, ob der Mond denn da wäre, ein keiner hinschaut. Ja, eine berechtigte Frage.

Die Welt, die ich wahrnehme, existiert ja ausschließlich nur in meinem Denken. Trotzdem ist es klug, nicht durch die Mauer zu laufen, auf die ich zugehe, sondern drum herum. Bin ich mir hingegen bewusst, dass auch meine Frau für mich nur in meinem Denken existiert, dann werde ich mich davor hüten, sie zu beurteilen sondern sie doch lieber zu fragen, wie es ihr geht.

Bin ich bereit, auf die Kategorien ‚objektiv‘ und ‚subjektiv‘ zu verzichten, dann erscheint aus dem Nebel der unzutreffenden Annahmen der Begriff für das entscheidende Gestaltelement der Dinge: die Beziehung.

Die Bedeutung von Beziehung kann ich erst dann verstehen, wenn ich auf die irreführenden Kriterien von ‚objektiv‘ und ‚subjektiv‘ genauso wie auf die von ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ verzichte.

Der Beobachter 

Spätestens mit dem Doppelspaltversuch ist es den Menschen gelungen, den wissenschaftlichen Nachweis dafür zu erbringen, dass sich die Frage, ob Schrödingers Katze jetzt lebt oder doch schon tot ist, nicht so einfach beantworten lässt. Ein gewaltiges philosophisches Problem, denn die Antwort darauf haben wir noch nicht gefunden.

Das sind Überlegungen, die uns gewaltig in die Irre führen können, gehen wir damit nicht sehr, sehr aufmerksam um. Nur ignorieren dürfen wir sie auch nicht, denn das nimmt uns unsere geistige Flexibilität.

Wir wissen ja mittlerweile, dass sich die Natur allenfalls beschreiben, aber nicht durch Gesetzmäßigkeiten definieren lässt. Was ich am besten am eigene Körper wahrnehme. Warum reagiere ich auf etwas allergisch, andere nicht?

Was macht da ganz klar den Unterschied? Ich! Dessen muss ich mir bewusst sein, will ich nicht starr sein oder werden. Dabei ist es eine Herausforderung gedanklich zuzulassen, dass man für sehr, sehr vieles selbst verantwortlich ist, vor allem für das eigene Erleben.

Und weil ich in meinem Erleben immer mit drin stecke, gibt es auch den ausgeschlossenen Dritten definitiv nicht.

Der Blick in den Spiegel

Der Blick in den Spiegel ist kein Blick in die Vergangenheit, denn da sehe ich mich, wie ich jetzt bin – wenn ich bereit bin, hinzuschauen. Darin gibt es keine Gesetzmäßigkeit, ich kann es nur beschreiben, ohne Kommentar, ohne Urteil, ohne Beurteilungen nur Fakten.

Was noch nicht ist, kann ich auch nicht beschreiben. Mache ich mir das Vergangene bewusst, nehme ich die Prozesshaftigkeit meines Lebens wahr – ohne Kommentar. Und verleugne ich nichts, ändere ich mich unmittelbar. Nur das Verleugnen hindert mich zu sein, wie ich wirklich bin.

Warum ich getan habe, was ich tat, interessiert nicht, nur das interessiert, wie ich mich heute entscheide und wie ich morgen sein werde. Um das zu verstehen muss ich mir der Prinzipien gegenwärtig sein, wie sie Nagarjuna aufgestellt hat:

Nichtvergehen und Nichtentstehen
Nichtabbrechen und Nichtandauern
Nichteinheit und Nichtvielheit
Nicht-zur-Erscheinung-Kommen und Nicht-aus-ihr-Verschwinden

Das kann ich dann verifizieren. Ich muss nur genau hinschauen. Dann erkenne ich auch diese Prinzipien, die für alles Lebendige gilt, und die wir so oft ignorieren:

1. Substantialismus
Nichts hat eine Substanz, alles existiert allein empirisch.

2. Subjektivismus
Keines, (auch nicht Bewusstsein) steht über allem anderen.

3. Holismus
Es gibt nicht nur eine Identität, es ist alles, vieles und eines gleichermaßen.

4. Instrumentalismus
Weder existiert ein Subjekt noch ein Objekt.

Daher – anders denken!

Die Grundkonstanten komplexen Denkens sind ganz anders als unser übliches Denken. Es geht von ganz anderen Vorstellungen aus – wie auch die moderne Physik: Was bedeutet es, wenn Zeit tatsächlich nicht linear ist? Müssen Verwandtschaftsbeziehungen so gedacht werden, dass Familienmitglieder in der Generationenfolge wieder auftauchen?

Was bedeutet es, dass Raum nicht linear erfahren wird, sondern dynamisch, offen und veränderbar ist? Mensch, Natur und Kosmos werden darin als eins gedacht. Gleichwertig. Völlig konträr zu einem auf Wachstum ausgerichteten Denken. Und genau das bestätigt uns nicht nur indigenes Wissen und der Ch’an, sondern auch die moderne Physik.

Wir müssen wieder lernen, nicht nur die einzelnen Dinge zu sehen, sondern uns auf die Verbindungen zwischen ihnen zu konzentrieren. Doch wir dürfen bei den Verbindungen nicht stehen bleiben, sondern müssen die Muster erkennen, die sie bilden. Komplexe Denkstrukturen bedeuten eine Abkehr von der Einfachheit, in der immer der Wunsch nach Kontrolle steckt.

Wir müssen auch lernen, über die Empfindungsfähigkeit der Steine zu sinnieren und den Fehler der alten Griechen zu erkennen, die ‚tote Materie‘ lebender Materie gegenüber stellten und damit über Jahrhunderte unser Denken in seiner Möglichkeit eingeschränkt haben, Dinge wie Bewusstsein und selbstorganisierende Systeme, etwa Galaxien, zu fassen zu bekommen – und auch uns selbst. Das beginnt damit, dass wir unsere mentale Stärke wieder zu nutzen lernen, denn die brauchen wir, um so denken zu können.

Der wissenschaftliche Ausgangspunkt

Da ich einmal sechs Semester Physik studiert habe, hatte ich schon immer eine gewisse Affinität zu physikalischen Fragestellungen. Und als mir ein Buch über den Dialog zwischen Ch’an-Menschen und Quantenphysikern in die Hände viel und mir bewusst wurde, wie mühelos sich die so unterschiedlichen Disziplinen verstanden, wurde mit eines 

Will ich mein Denken korrekt organisieren, brauche ich das nur in dem Kontext eines komplexen Systems und nach dessen Gesetzmäßigkeiten zu tun:

Nichtlinearität: Kleine Störungen des Systems oder minimale Unterschiede in den Anfangsbedingungen führen oft zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen (Schmetterlingseffekt, Phasenübergänge). Die Wirkzusammenhänge der Systemkomponenten sind im Allgemeinen nicht linear.

Emergenz: Emergenz bezeichnet die Möglichkeit der Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente.

Wechselwirkung (Interaktion): Die Wechselwirkungen zwischen den Teilen des Systems sind lokal, ihre Auswirkungen in der Regel global.

Offenes System: Sie stehen im Kontakt mit ihrer Umgebung und befinden sich fern vom thermodynamischen Gleichgewicht. Das bedeutet, dass sie von einem permanenten Durchfluss von Energie beziehungsweise Materie abhängen.

Selbstregulation: Dadurch können sie die Fähigkeit zur inneren Harmonisierung entwickeln. Sie sind also in der Lage, aufgrund der Informationen und derer Verarbeitung das innere Gleichgewicht und Balance zu verstärken.

Pfade: Komplexe Systeme zeigen Pfadabhängigkeit: Ihr zeitliches Verhalten ist nicht nur vom aktuellen Zustand, sondern auch von der Vorgeschichte des Systems abhängig.

Attraktoren: Das System strebt von seinen Anfangsbedingungen bestimmte Zustände oder Zustandsabfolgen an, wobei diese Zustandsabfolgen auch chaotisch sein können.

In komplexen Systemen gibt es, anders als bei komplizierten, keine Wenn-Dann-Bedingungen, sondern „nur“ Zusammenhänge und Beziehung – und die Entscheidung des Einzelnen.

Die Kraft in mir

Meine wahre Kraft liegt in meinem Geist. Mir fallen da immer als Metapher die Jedi-Ritter ein. Das Entscheidende ist bei ihnen ja nicht das Laserschwert, sondern die Macht und Kraft ihrer Gedanken. Bei uns ist das nicht anders, wir sind uns dessen nur nicht mehr bewusst.

Was nicht bedeutet, dass ich übermenschliche Kräfte hätte, aber wesentlich größere, als ich bislang dachte. In einem Artikel mit dem Titel „Die Welt braucht Jedi-Ritter“ fand ich diese Gedanken:

Star Wars: ein moderner Mythos, weit mehr als filmische Luftschlachten, Explosionen und Kampfchoreografien. Es geht um unsere dunkle Seite und wie sie stärker und stärker wird, wenn wir nichts gegen die kleinen Schwächen tun. Der Kampf der Jedi ist unser Kampf. Nehmen wir ihn auf uns? Georg Lukas schuf einen Mythos, der die Geschichte der hellen und der dunklen Seite um das Ringen nach Macht erzählt. 

Jede Zeit hat neben ihren Schattenseiten auch ihre Chancen, und es ist faszinierend, wie Star Wars hier unsere Epoche widerspiegelt und uns zum Nachdenken anregt. Die Kunst ist schon immer ein guter Spiegel der Gesellschaft gewesen und Filme wie „Star Wars“ können uns sehr gut zeigen, mit welchen Themen wir uns herumschlagen. Lassen wir uns entführen in eine andere Welt und achten wir auf die Botschaften, die zwischen den Zeilen auf uns warten.

Diese Botschaft ist für mich ganz klar „Die Macht ist in mir selbst“ – will ich irgendetwas ändern, ob für mich selbst oder in der Welt. Ich brauche dazu nichts anderes, als meinen Geist zu trainieren und zu schulen.

Propriozeption 

Doch um das in mir selbst erfahren zu können, muss ich erst einmal wissen, in welchem gedanklichen Raum ich mich aufhalte. So wie ich das Bewusstsein für die Lage meiner Körperteile haben muss, um mich ohne hinzuschauen bewegen zu können, so muss ich auch wissen, wo ich mich gedanklich bewege, will ich mich nicht in der Welt wie ein Elefant durch einen Porzellanladen bewegen.

Es verlangt oft Selbstbeherrschung, sich nicht ständig auf Diskussionen, Diskurse und Dispute oder der Kundgabe persönlicher Ansichten einzulassen, statt sich ernsthaft in einen Dialog zu begeben und sich auf das, was ein anderer sagt, einzulassen, um ihn oder sie wirklich verstehen zu wollen.

Verstehen wollen und eben nicht bewerten oder gar verurteilen. Denn genau das stört die Propriozeption und fördert die Defragmentierung. Das effektivste Mittel, um Propriozeption zu verhindern ist mir sicher zu sein.

Ich habe mein Denken eben nicht unter bewusster, sondern alleine unter propriozeptiver Kontrolle – ein gewaltiger Unterschied.

Die zwei Wahrheiten

Albert Einstein hat mit der Relativitätstheorie bewiesen, dass Raum, Zeit und Masse nicht als absolut, sondern als relativ anzusehen sind. Die Quantenphysik wiederum hat herausgefunden, dass die Elementarteilchen Partikel, Wellen oder beides gleichermaßen sein können. Als was sie erscheinen, hängt vom Betrachter, beziehungsweise dessen Wahl der Apparate und Messmethoden, ab. Diese Rolle des Beobachters, der diese relative Wirklichkeit erst geriert, wird im Buddhismus schon seit Jahrtausenden diskutiert.

Im Ch’an hat Nagarjuna, eine Lösung definiert, die auch die Quantenmechaniker akzeptieren. Er spricht in seiner Philosophie der Leerheit von ‚zwei Wahrheiten‘: der konventionellen und der ultimativen. In der Welt der konventionellen Wahrheit gibt es eine Vielfalt von Dingen und Individuen, die klar von einander abgegrenzt sind, sowie die Gesetze der Logik. Diese Welt der empirischen Erfahrung ist keine Illusion, sie ist auch nicht unwirklich. Sie ist real in dem Sinn, dass wir sie erfahren und auch erleben.

Aus der Perspektive der ultimativen Wahrheit besitzen Dinge und Ereignisse keine abgegrenzte, unabhängige Realität. Sie sind »leer« in dem Sinn, dass über keine unveränderliche Substanz verfügt. Diese Welt besteht – vordergründig gesehen – letztlich aus einem Netz von verbundenen Wirklichkeiten; tatsächlich aber ist es das in sich differenzierte Eine.

Was wir tun und denken, erhält dadurch größte Wichtigkeit, weil es alles, mit dem wir verbunden sind, beeinflusst. Der Flügelschlag eines Schmetterlings löst ein Erdbeben aus. Ein meditierender Mönch stürzt einen Diktator. Folglich ist größtes Verantwortungsbewusstsein im Tun für jeden einzelnen unabdingbar. Für Nihilismus ist hier überhaupt kein Platz.

Denken durch NichtDenken

Was habe ich gedacht, dass ich diesen Satz schreiben konnte? Nichts, absolut nichts. Was ich schrieb wusste ich und es blubbte nur aus mir heraus.

Als ich Denken durch NichtDenken zu verstehen begann, was habe ich da gedacht? Nichts, es dachte einfach. Am besten merke ich das, wenn ich Motorrad fahre, da fahre ich nämlich sofort schlechter, wenn ich darüber nachdenke. Oder beim Kochen.

Alles, was ich tue, habe ich bereits gedacht, bevor da ein Gedanke in meinem Kopf war. Zu denken, ich müsste über etwas nachdenken, ist die perfekte Art, mein Denken zu blockieren. Daher habe ich die Vorstellung aufgegeben, dass ich durch bewusstes Denken weiter kommen könnte.

Habe ich eine ungelöste gedankliche Aufgabe, dann gehe ich damit ins Bett, denn in der Regel weiß ich am nächsten Tag die Lösung. Kürzlich saß ich mit einer Bekannten zusammen und wir spielten mit meinem Enkel. Alles war gut, wir verstanden uns prächtig.

Wirkliche Harmonie. Bis sie anfing, über etwas nachzudenken und ich mich leider gezwungen sah, einen Kommentare dazu abzugeben. Aus war es mit der Harmonie. Daher suche ich ernsthaft nicht mehr zu urteilen und zu beurteilen.

Dies bringt mich sofort in den Zustand der Leere, wie es im Ch’an heißt. Da ist die Welt in Ordnung, egal, was ist, ganz einfach, weil ich dann in Einklang mit der kosmischen Ordnung komme, über die ich nicht nachzudenken brauche.

Im Flow leben

Der ideale Zustand, das Optimum.

Im Flow bin ich so, wie ich idealerweise immer sein sollte. Jedes nicht domestizierte Tier kann das. Und auch wir Menschen können das, solange wir noch nicht konditioniert sind. Man nennt das dann Erziehung.

‚Flow‘ sollte der Zustand im Leben sein, der für uns der Normalste von der Welt ist – und nichts Besonderes, kein Ausnahmezustand. Nur kann ich ‚Flow‘ nicht lernen, was ich aber kann das ist sein zu lassen lernen, was ihn verhindert: Nachdenken, grübeln, in Begriffen und in linearen Bezügen zu denken, also so zu denken, wie es es einmal gelernt habe.

Nur muss ich lernen, bei denjenigen nicht anzuecken, die noch auf die traditionelle und konditionierte Weise denken. Jeder macht sehr vieles im Flow, nur sind sich die Wenigsten dessen auch bewusst.

Die Folge ist dann, dass sie zu viel grübeln, zu viel nachdenken, sie nehmen Dinge ernst, die es nur in der Vorstellung gibt und sie machen zu viele Pläne, statt dass sie nach den Regeln der Komplexität leben würden.

Ein gutes Zitat dazu ist von Melissa Naschenweng, einer Musikerin. Sie sagte „Musik muss man nicht verstehen, die muss man nur spüren“. So ist es mit allem, man darf nur nicht ‚spüren‘ mit Emotionen verwechseln.

Das ist Flow.

Selbstfindung

Ob ich ‚mich‘ gefunden habe, kann ich nie beantworten. Ich kann nur hoffen, dass ich mich in Übereinstimmung mit der Wirklichkeit befinde.

Was ich sicher sagen kann ist, dass ich mich nie verloren habe, mich hinter der Maske der Konditionierung verborgen habe. Ich brauche mich also nicht auf die Suche machen, sondern muss nur sehen, wie ich mich gedanklich organisiere. Wobei das dann schon die erste Baustelle ist, denn was ist gedanklich? Oder geistig?

Die Vorstellung, ich könnte mich ‚ändern‘, ist die nächste Hürde, denn tatsächlich kann ich mich nicht ändern. Was ich tue, ist mich in jedem Augenblick zu entscheiden, was ich tue, wieder und wieder – und das folgt dem, wie ich bin.

Bin ich mir dessen bewusst, kann ich lernen, andere, stimmigere Entscheidungen treffen, wenn ich mich in meiner Persönlichkeit geändert habe. Auch von „meinem“ wahren Selbst zu sprechen setzt eine Menge an Annahmen und Vorstellungen voraus – die allesamt nicht stimmen.

Huang-po sagt, sobald ich eine Vorstellung von Buddha habe, wird diese zum Hindernis. Und das ist mit jeder Vorstellung so. Daher trage ich alle kulturell und familiär bedingten Konditionierungen und meine gedanklichen Konzepte und Methoden ganz einfach zu Grabe.

Vorstellungen taugen für profane Dinge, aber nicht für Grundsätzliches, nicht für Komplexes. Die Frage ist also, ob ich mich selbst finden kann oder ob es nicht auch nur eine Vorstellung ist, der ich dann hinterher renne.

Daher lasse ich mich da, wo es angezeigt ist, auf die Leere ein.

Gelassenheit

Was mir jetzt noch fehlt, das ist wirkliche Gelassenheit, um meine innere Ruhe nicht mehr zu verlieren.

Das bedeutet, es geht um ‚Weg und Ziel‘ gleichermaßen. So wie die traditionellen fernöstlichen Kampfkünste (Budo) auf originären Philosophien und der Psychologie des Ch’an aufbauen, sich das ‚Geistige‘ dieser Budo-Wege (Do) als spirituelle Lehre und Praxis offenbart, so muss sich diese Lehre auch in meinem Leben offenbaren.

Es ist eben kein rein technischer Weg, sondern beides, Technik wie Philosophie. Ohne Technik wird die Philosophie schal, ohne Philosophie wird die Technik starr. Was ich auch tue, nutze ich zur Meditation und Reflexion. Selbst auf dem Tablet kann ich etwas meditativ suchen oder wie gerade diesen Text meditativ eingeben.

Es ist zu Beginn eine wirkliche Herausforderung, denn es nicht leicht, sich so zu disziplinieren, dass man anderen gegenüber nicht nur gesellschaftlich bedingt freundlich ist, sondern wirklich freundlich, aus sich selbst heraus.

Dazu kommt, dass das stetige Körperbewusstsein einerseits das Tor zur Wahrnehmung weit öffnet und andererseits das ‚Ich‘ mehr und mehr verblassen lässt. Warum ist da kein ‚Ich‘, wenn ich Motorrad fahre? Aus genau diesem Grund – ich bin körperlich gespannt, aber nicht angespannt.

Ich könnte es auch Propriozeption des Geistes nennen.

Das Leben tanzen

Weg & Ziel lassen sich nicht voneinander trennen, so wie sich die Empfindung nicht vom NichtDenken trennen lässt. Ich vergleiche das gerne mit einem Pendel – erst einmal.

Steht ein Pendel exakt auf dem Kopf ist es keine Frage des Zufalls, ob es nach rechts oder links fällt, sondern eine Frage der umliegenden Attraktoren. Nur ist das Leben nicht so, es hat viel mehr Entscheidungspunkte. Daher verhält es sich chaotisch wie ein Doppelpendel – aber auch nur erst einmal.

Ich nehme ein einfaches Beispiel, das wahrscheinlich die meisten kennen: Das Zusammenleben von Frau und Mann. Das erscheint einem oft recht chaotisch, man weiß nie genau, was passieren und wie der anderer sich verhalten wird.

Es sei denn, man folgt gemeinsam den identischen Prinzipien. Dann wird aus dem bislang unberechenbaren Verhalten ein Tanz. Mit anderen Worten: Ziel & Weg oder Weg & Ziel tanzen zusammen Tango. Voraussetzung ist, man kennt die Gesetzmäßigkeiten des Lebens.

Doch damit ich das kann, muss ich mir bewusst sein, nicht wer ich bin, sondern was ich bin, muss sozusagen hinter das Vordergründige schauen können: Ich muss in der Lage sein, mich als Geist zu verstehen, aber ein Geist, der sehr real ist, der in beiden Welten zuhause ist, der geistigen wie der körperlichen.

Ich, ein Avatar?

„Verweile jenseits der Sinnenwelt, und sammle deine Kraft im Nichts.“
Chuang-tse

Was erzählen mir Quantenmechanik und Ch’an über mich selbst? Zu Beginn ist es zugegebenermaßen verwirrend, aber ich bin ganz offensichtlich nicht das, als das ich erscheine. Nur was bin ich dann?

In der Überlegung, einerseits (moderner) Jedi-Ritter und meinen Geist als Werkzeug oder Instrument einzusetzen, andererseits ein Mönch zu sein, der sich in seinen Geist und von der banalen Welt zurückgezogen hat, liegt tatsächlich die Antwort:

Ich bin (sozusagen) der Avatar meiner eigenen Existenz! Ich inszeniere mich ganz ähnlich wie in einem Videospiel selbst! Nur, dass ich nicht wie im Internet eine künstliche Person bin, die in einer virtuellen Welt gespielt wird, sondern ich inszeniere mich ganz real. Ich inszeniere mich in der Realität als exakt der Menschen, der ich zu sein glaube! Obwohl nicht ‚Ich‘ mich inszeniere, sondern die Buddha-Natur, der Buddha-Geist.

Das beantwortet die Frage, weshalb – für uns – der eine ‚böse‘, der andere hingegen ‚gut‘ ist und weshalb es uns so erscheint. Und weshalb wir von dem, was wir gerade tun, felsenfest überzeugt sind, dass es richtig ist, auch wenn es sich hinterher als schlichtweg falsches Tun herausstellen kann. Und genau deshalb verwischt in der absoluten Wirklichkeit die Differenzierung zwischen ‚gut‘ und ‚böse‘, löst sie sich auf.

Bin ich mir dessen nicht bewusst, bin ich exakt der, der ich unreflektiert bin – und nicht der, der ich zu sein glaube! Erst wenn ich mir dessen bewusst bin, kann ich der sein, der ich zu sein sein suche, wie ich mich ganz konkret und bewusst denke – und nicht etwa der, der ich zu sein glaube.

Doch eines ist wesentlich: Der, als der ich mich dann denke, das bin nicht ich als Individuum, sondern als alles miteinander, eben als Eines, der eine Buddha-Geist.

Das bedeutet jetzt nicht, dass ich plötzlich über magische Kräfte verfügen würde. Es bedeutet jedoch, dass mein Erleben, meine Reaktionen und die tatsächliche Wirklichkeit darauf in eine stimmige und angemessene Beziehung zueinander kommen sowie, dass ich das mir Mögliche tun kann.